Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 161

STS-58

Columbia (15)

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  18.10.1993
Startzeit:  14:53 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-B
Bahnhöhe:  287 km
Inklination:  39°
Landedatum:  01.11.1993
Landezeit:  15:05 UTC
Landeort:  Edwards AFB

Crew auf dem Weg zum Start

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Blaha  John Elmer  CDR 4 14d 00h 12m  225 
2  Searfoss  Richard Alan  PLT 1 14d 00h 12m  225 
3  Seddon  Margaret Rhea  MSP 3 14d 00h 12m  225 
4  McArthur  William Surles, Jr. "Bill"  MSP 1 14d 00h 12m  225 
5  Wolf  David Alexander "Bluto"  MSP 1 14d 00h 12m  225 
6  Lucid  Shannon Matilda Wells  MSP 4 14d 00h 12m  225 
7  Fettman  Martin Joseph  PSP 1 14d 00h 12m  225 

Sitzverteilung der Besatzung

Start
1  Blaha
2  Searfoss
3  Seddon
4  McArthur
5  Wolf
6  Lucid
7  Fettman
Landung
1  Blaha
2  Searfoss
3  Wolf
4  McArthur
5  Seddon
6  Lucid
7  Fettman

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
7  Buckey  Jay Clark, Jr.  PSP
7  Young  Laurence Retman  PSP

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Flugverlauf

Start von Cape Canaveral (KSC); Landung auf der Edwards AFB.

Der Start war ursprünglich auf den 14. Oktober 1993 festgesetzt worden. Wegen des Ausfalls eines Computers, der im Notfall die Feststoffraketen sprengt, musste der erste Startversuch abgesagt werden. Der zweite Startversuch am nächsten Tag musste ebenfalls abgesagt werden. Diesmal war die Absage durch einen defekten S-Band-Transponder verursacht worden.

Mit STS-58 wurde die zweite Spacelab Life Science (SLS) Mission in die Erdumlaufbahn befördert. Während des Fluges wurden intensive Forschungen betrieben, bei denen herausgefunden werden sollte, wie der menschliche Organismus auf die Bedingungen der Schwerelosigkeit über einen längeren Zeitraum reagiert. Daneben unternahm die Mannschaft Versuche mit 48 weißen Labrorratten.

Am zweiten Flugtag (19. Oktober 1993) fiel für rund zwanzig Minuten die Stromversorgung in einem Experimentschrank aus. Den darin untergebrachten Ratten bereitete dieser kleine Zwischenfall keine Probleme. Nach Auskunft der Astronauten fühlten sich alle Nager wohl.

Zur Erforschung des menschlichen Stoffwechsels sammelten die Besatzungsmitglieder während der Mission Urin- und Speichelproben und führten Buch über die von ihnen durchgeführten Übungen sowie die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahmen. Die Wissenschaftler wollten so den Energieverbrauch des Körpers bei Langzeitaufenthalten im Weltraum besser verstehen.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt galt dem Gleichgewichtsorgan, das sich bei Wirbeltieren in deren Innenohr befindet. Die Forscher wollten erfahren wie sich der Vestibularapparat an die Schwerelosigkeit anpasst. Das ist ein entscheidender Faktor in der bemannten Raumfahrt, weil keine anderen physiologischen Veränderungen das Befinden des Astronauten zu Beginn eines Raumflug stärker beeinflussen. Ein Teil dieses Versuchs war die Tötung von sechs Ratten, deren Innenohr von Martin Fettman und Rhea Seddon für eine spätere Untersuchung am Boden seziert wurden.

Am 21. Oktober 1993 gaben die für den Nutzlastbetrieb verantwortliche Missionsspezialistin Rhea Seddon, ihre Kollegen David Wolf und Shannon Lucid sowie Nutzlastspezialist Martin Fettman weitere Blut- und Urinprobem für weitergehende Versuche bezüglich des menschlichen Stoffwechsels unter Schwerelosigkeit ab. Die Proben ergänzten die Untersuchungen zur Kalziumaufnahme vom Vortag. Dr. Claude Arnaud von der University of California erforschte den Mineralverlust des Körpers während des Raumflugs und ging der Frage nach, wie Kalzium im Stoffwechsel des Knochenbaus verarbeitet wird. Die Forschungsergebnisse der SLS-1 Mission von 1991 hatten gezeigt, dass die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) in der Schwerelosigkeit aktiver sind als die für den Aufbau verantwortlichen Osteoblasten. Bei diesem Flug wollte Dr. Arnaud wissen, welchen Einfluss Vitamin D und Hormone der Nebenschilddrüse auf den Kalziumverlust des Knochens haben.

Am fünften Missionstag sprachen John Blaha und Richard Searfoss über die SAREX-Amateurfunkanlage ("Shuttle Amateur Radio EXperiment") mit Schülern einer Middle School in Tennessee und einer Grundschule in Texas. Außerdem erprobte Shuttle-Pilot Richard Searfoss die Möglichkeit, ohne fremde Hilfe während des laufenden Betriebs ein Modul aus einem Spacelab-Experimentschrank ("Standard Interface Rack") auszubauen und in einen anderen einzusetzen.

Damit die Piloten einer Raumfähre bei Langzeitflügen ihre antrainierten Fähigkeiten, das Schiff am Ende der Mission zu landen nicht einbüßen, wurde bei STS-58 erstmals ein Simulationscomputer getestet. Der PILOT-Laptop ("Pilot Inflight Landing Operations Trainer") war mit einem Joystick ausgestattet, der dem Steuerknüppel des Orbiters glich. Als Software waren die für den Wiedereintritt relevanten Teile installiert, die auch auf dem Shuttle-Simulator eingesetzt werden. PILOT sollte unter Beweis stellen, als Hilfsmittel für Kommandant und Piloten bei der Landung des Shuttles nach einem längeren Raumflug zu dienen.

Der 23. Oktober 1993 war der „Tag der Ratte“. Vier Astronauten unter der Leitung der beiden Mediziner Martin Fettman und Rhea Seddon nahmen einigen der Nagetiere Blut ab. Die 48 Laborratten waren in zwei RAHF-Schränken ("Research Animal Holding Facility") untergebracht, die vom Ames Research Center entwickelt wurden. Jedes Rack enthielt zwölf Käfige, von denen jeder Platz für zwei (maximal je 400 Gramm schwere) Ratten bot.

Die Columbia war als Träger für verschiedene OEX-Experimente ausgewählt worden. Dabei sollte das Space Shuttle als Versuchsobjekt für Wiedereintrittsexperimente genutzt werden. Zu den Versuchsanordnungen gehörten:
"Shuttle Entry Air Data System" (SEADS): Es handelte sich um eine Anordnung von Druckmessgeräten in der Bugnase, um den Staudruck zu messen. Die Druckmessungen begannen in etwa 85 km Höhe und dauerten bis zur Landung.. Ebenso wurden Messungen in der Startphase durchgeführt.
"Shuttle Upper Atmospere Mass Spectrometer" (SUMS): Für Messungen oberhalb von 80 km war im Bugfahrwerksschacht ein automatisches Massenspektrometer installiert. Damit konnten selbst kleinste Luftmengen Auskunft darüber geben, wie die Atmosphärendichte ist.
"Shuttle Infrared Leeside Temperature Sensing" (SILTS): Am oberen Ende des Seitenleitwerks war ein aerodynamisch verkleideter Pod angebracht worden, der eine hochauflösende Infrarotkamera enthielt. Damit konnten genaue Temperaturverteilungskarten erstellt werden. Der Infrarotsensor konnte Temperaturen von 93 bis 538 Grad Celsius erfassen und wurde mit Hilfe von Stickstoff gekühlt.

Im Rahmen des OARE-Tests ("Orbital Acceleration Research Experiment") änderten die beiden Shuttle-Piloten am zehnten Flugtag einige Male die Fluglage der Raumfähre. OARE ermittelte die aerodynamischen Belastungen, die auf den Orbiter während des Fluges und in der frühen Wiedereintrittsphase wirken. Die bisher eingesetzten Beschleunigungsmesser wurden in irdischen Labors geeicht und konnten deshalb zu ungenauen Ergebnissen führen. Der OARE-Sensor, der in einer kleinen Kiste im Laderaum untergebracht war, kalibrierte sich während des Fluges selbst.

Ferner führten die Mannschaftsmitglieder Versuche zum Knochengewebsverlust als Auswirkung der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper durch. Daneben wurde die Raumkrankheit und der damit verbundene Orientierungsverlust untersucht. Dazu trugen die Astronauten Shannon Lucid und Martin Fettman eine Apparatur am Körper, die jede Bewegung des Körpers während des Tages fortwährend aufzeichnete.

Während des letzten vollen Arbeitstages mussten Martin Fettman und Rhea Seddon mindestens fünf Ratten töten und sezieren. Weil die beiden Wissenschaftler sehr konzentriert arbeiteten, hatten sie die Zeit ein sechstes Exemplar zu guillotinieren. Innerhalb von sieben Stunden konnten sechs Innenohrproben genommen werden. Nur durch die Konservierung während des Fluges, was zuvor noch nicht durchgeführt wurde, konnte festgestellt werden, wie sich das Gleichgewichtsorgan des Tieres an die Schwerelosigkeit angepasst hatte.

Es wurde der bis dahin längste Flug eines Space Shuttle.

Fotos / Zeichnungen

Erdbeobachtung
 

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Letztes Update am 26. Juli 2014.