Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 21

Gemini 11

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  12.09.1966
Startzeit:  14:42 UTC
Startort:  Cape Canaveral
Startrampe:  LC-19
Bahnhöhe:  160,5 - 1360 km
Inklination:  28,89°
Landedatum:  15.09.1966
Landezeit:  13:59 UTC
Landeort:  24° 15,4' N, 70° 0' W

Crew auf dem Weg zum Start

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Conrad  Charles Jr,. "Pete"  Command Pilot 2 2d 23h 17m  44 
2  Gordon  Richard Francis, Jr. "Dick"  PLT 1 2d 23h 17m  44 

Sitzverteilung der Besatzung

1  Conrad
2  Gordon

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Armstrong  Neil Alden  Command Pilot
2  Anders  William Alison "Bill"  PLT

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Flugverlauf

Gemini 11 startete von Cape Canaveral und wasserte 1330 km südöstlich von Cape Canaveral im Atlantik.

Im Gegensatz zu den Mercury- und Apollo-Flügen, gab es bei Gemini keine Rettungsrakete, die beim Versagen der Titan-Rakete die Raumkapsel von der Startrakete weggerissen hätte. Die Titan-II-Rakete flog mit sogenannten hypergolen Treibstoffen, die im Falle des Versagens der Startrakete zwar zum Abbrennen, aber nicht zur Explosion neigen. Aus Gründen der Gewichtsersparnis wurden stattdessen in die Gemini-Raumschiffe Schleudersitze eingebaut. Das Verfahren wurde als "Ballute" bezeichnet. Bei einem erforderlich werdenden Ausstieg während der Startphase sollte sich das ballonähnliche Gebilde als erstes entfalten und den Flug des Astronauten stabilisieren, ehe der Fallschirm geöffnet wurde.

Wie Gemini 10 sollte Gemini 11 als Hauptaufgabe an einen Agena-Zielsatelliten koppeln und sich mit dessen Triebwerk in eine höhere Umlaufbahn befördern lassen. Charles Conrad war ein starker Befürworter dieses Plans, obwohl es auch Gegenstimmen gab, die Gefahren durch die Strahlung des Van-Allen-Gürtels befürchteten. Ebenso wurde wieder Wert auf einen Außenbordeinsatz (EVA) gelegt. Aus den Erfahrungen von Eugene Cernan und Michael Collins mit Gemini 9A und Gemini 10 wurden Verbesserungen für Gemini 11 entwickelt. Einerseits wurde die Sicherheitsleine von 15 Metern auf 9 Meter verkürzt, andererseits wurden mehr Handgriffe und Fußstützen am Gemini-Raumschiff und an der Agena angebracht, damit Richard Gordon beim Arbeiten besseren Halt haben sollte. Daneben gehörte die vollautomatisch gesteuerte Rückkehr der Kapsel zum Flugplan.

In einer frühen Planungsphase kam die Idee auf, die Zündung der Agena zu nutzen, um Gemini 11 auf eine Transferbahn zum Mond zu bringen. Diese technisch durchaus realisierbare Möglichkeit wurde aber verworfen, weil man als Risiko in Anbetracht einiger Fehlschläge im Gemini-Programm als zu hoch einschätzte. Gleiches galt für eine angedachte Rendezvous-Mission mit einem Pegasus-Satelliten.

Der Start verzögerte sich zunächst um 3 Tage wegen eines Lecks im Tank der Titan-Rakete und dann, weil die Agena aufgrund eines Problems mit dem Autopiloten nicht starten konnte.
Am 12. September 1966 startete eine Atlas-Agena-Rakete und brachte den Zielsatelliten GATV-11 (Gemini Agena Target Vehicle) in eine Erdumlaufbahn. Gemini 11 sollte exakt eine Umkreisung später starten. Das Startfenster betrug nur zwei Sekunden. Planmäßig hob die Titan-Rakete um 9:42 Uhr Ortszeit ab.

Nach dem reibungslosen Start gelang die Kopplung mit dem unbemannten Agena-Zielsatelliten GATV-11 bereits nach 94 Minuten und fünf Steuerungsmanövern, so schnell wie noch nie. Darüber hinaus war auch bedeutend weniger Kraftstoff verbraucht worden, was nun dazu genutzt werden konnte, um zusätzliche Docking-Manöver vorzunehmen. Jeder der beiden Astronauten entkoppelte zwei Mal und dockte wieder an den Satelliten an.

Eine erste EVA durch Richard Gordon wurde am 13. September 1966 (0h 38m) durchgeführt. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen speziell von Michael Collins bei Gemini 10 hatte man Modifikationen vorgenommen. Die Sicherheitsleine wurde von 15 auf 9 m gekürzt und die Agena war mit zusätzlichen Handgriffen versehen worden. Trotzdem blieben die Außenbordarbeiten mehr als beschwerlich. Richard Gordon hangelte sich zunächst entlang der Kapsel, um ein Experiment zu bergen. Dabei handelte es sich um ein Kernemulsionsgerät zur Messung der Spektren kosmischer Strahlung. Charles Conrad verstaute das 7 kg schwere Experiment unter seinem Sitz. Danach kletterte Richard Gordon zur Agena-Rakete und saß schließlich rittlings auf ihr. Schließlich befestigte er noch eine 16-mm-Kamera an der Agena, um seine Außenbordtätigkeit zu dokumentieren. Auch Richard Gordon geriet ins Schwitzen und sein Helm beschlug ebenfalls. Bereits nach der Bergung des Experimentes musste er sich einige Minuten ausruhen. Seine erste EVA musste aus diesem Grunde auf 38 Minuten gekürzt werden. Es gelang ihm aber, die Agena und das Raumschiff miteinander zu verbinden (zusätzlich zum Dockingverfahren). Allerdings konnte er viele vorgesehene Versuche nicht mehr ausführen. Geplant waren Tests verschiedener Werkzeuge. Auch konnte er das im hinteren Adapter untergebrachte Manövriergerät nicht mehr abholen. Auf eine zwischenzeitlich erwogene Wiederholung der EVA wurde verzichtet. Stattdessen wurde die Luke nur noch kurz geöffnet, um nicht längere benötigte Gegenstände wie z.B. die "Nabelschnur" abzuwerfen.

Danach wurden die Triebwerke der Agena gezündet und das Raumschiff auf eine höhere Umlaufbahn gebracht. 1.360 km betrug nunmehr das Apogäum, ein neuer Höhenrekord. Die Astronauten waren von dem Anblick aus großer Höhe begeistert. Sie schilderten, dass sie Afrika, Indien und Australien gleichzeitig sehen konnten. Nach zwei Erdumkreisungen zündeten die Agena-Triebwerke erneut, um wieder eine niedrige Erdumlaufbahn einzunehmen.

Am 14. September 1966 führte Richard Gordon einen zweiten Außenbordeinsatz durch (2h 08m). Dieses Mal verließ er aber das Raumschiff nicht vollständig, sondern blieb in der geöffneten Luke stehen (SEVA), um die Erde und Sterne zu fotografieren. Die Ziele wurden ihm der Reihe nach aufgezählt. Auf der Nachtseite der Erde konnte Richard Gordon astronomische Ultraviolett-Aufnahmen fertigen.

Danach konnte das Experiment zur Erzeugung künstlicher Schwerkraft durchgeführt werden. Die beiden Raumfahrzeuge wurden voneinander abgekoppelt und waren nur noch mit der von Richard Gordon angebrachten 33 Meter langen Nylonschnur verbunden. Allerdings traten einige Schwierigkeiten auf. Zunächst hatte sich die Schnur verhakt. Dann führte eine Drehung der Agena um die Längsachse dazu, dass sich die Nylonschur langsam verdrehte. Auch war es für Charles Conrad schwierig, das Seil straff zu halten. Er musste mehrere Korrekturmanöver fliegen. Danach wurden beide Raumschiffe in eine Drehung versetzt. Die Schwerkraft war aber eher gering, die Astronauten konnten keine Auswirkungen bemerken. Nachdem die Agena keine Bahndaten mehr lieferte, kappten die Astronauten die Nylonschnur.

Insgesamt wurden zusätzlich 12 verschiedene Experimente an Bord durchgeführt (neun wissenschaftliche und drei technische), aber lediglich 2 fotografische Experimente waren wirklich neu. Andere, wie Wetter- und Erdfotografie, die Ultraviolett-astronomische Kamera, aber auch nächtliche Beobachtungen von Städten und Gegenden auf der Erde (etwas eingeschränkt durch ein verdrecktes Fenster auf Charles Conrads Seite), waren schon bei anderen Missionen im Einsatz gewesen.

Vor der automatisch durchgeführten Landung unternahmen die Astronauten noch ein letztes kurzes Rendezvous-Manöver mit der Agena. Eine Ankopplung war nicht mehr geplant. Der automatische Wiedereintritt resultierte in einer Landung nur 4,9 Kilometer vom Bergungsschiff entfernt.

Die Crew wurde vom Flugzeugträger USS Guam geborgen.

Fotos / Zeichnungen

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Letztes Update am 29. November 2014.