Bemannte Raumflüge

Internationale Flug-Nr. 41

Apollo 15

USA

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Start-, Bahn- und Landedaten

Startdatum:  26.07.1971
Startzeit:  13:34 UTC
Startort:  Cape Canaveral (KSC)
Startrampe:  39-A
Bahnhöhe:  166 - 169 km
Inklination:  29,68°
Abkopplung CSM-LM:  30.07.1971, 18:13:16 UTC
Mondlandung:  30.07.1971, 22:16:29 UTC
Landepunkt:  26° 7' 55.99" N 3° 38' 1.90" O
Ankopplung CSM-LM:  02.08.1971, 19:10:25 UTC
Landedatum:  07.08.1971
Landezeit:  20:45 UTC
Landeort:  26° 13' N, 158° 13' W

Crew auf dem Weg zum Start

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alternatives Crewfoto

alternatives Crewfoto

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Besatzung

Nr.   Name Vorname Position Flug-Nr. Flugdauer Erdorbits
1  Scott  David Randolph  CDR 3 12d 07h 12m  1,5 
2  Worden  Alfred Merrill  CMP 1 12d 07h 12m  1,5 
3  Irwin  James Benson "Jim"  LMP 1 12d 07h 12m  1,5 

Sitzverteilung der Besatzung

1  Scott
2  Worden
3  Irwin

Ersatz-Besatzung

Nr.   Name Vorname Position
1  Gordon  Richard Francis, Jr. "Dick"  CDR
2  Brand  Vance DeVoe  CMP
3  Schmitt  Harrison Hagan "Jack"  LMP

Unterstützungs-Mannschaft

  Surname Given names
 Allen  Joseph Percival IV "Joe"
 Henize  Karl Gordon
 Parker  Robert Alan Ridley

Flugverlauf

Apollo 15 startete von Cape Canaveral (KSC) und wasserte 500 km nördlich von Hawaii im Pazifik.

Während des Aufstiegs kam es unmittelbar nach der ersten Stufentrennung zum Ausfall der Systeme der ausgebrannten S-IC, was sich auf den Abgasstrahl der S-II zurückführen ließ. Für diesen Flug hatte man zur Gewichtsersparnis die Zahl der Bremstriebwerke an der S-IC von 8 auf 4 reduziert. Um eine Wiederholung dieser gefährlichen Annäherung zu vermeiden, wurde diese Änderung für die nächsten Flüge wieder rückgängig gemacht.

Die Mission war das vierte bemannte Mondlandeunternehmen. Das Landegebiet waren die Hadley-Apenninen und hier insbesondere die Hadley-Rille. Die Landung erfolgte am 30. Juli 1971 um 22:16:29 UTC mit einer relativ hohen Sinkgeschwindigkeit von 2.0 m/s. Es war die härteste Landung des gesamten Programmes, hingegen gestaltete sich der Anflug trotz des bergigen Terrains einfacher als erwartet. Der Aufenthalt von David Scott und James Irwin auf dem Mond betrug 66 Stunden 55 Minuten.

Der erstmals mitgeführte Lunar Rover war 3,1 m lang und 1,8 m breit. Er bot den Astronauten Platz auf einfachen Sitzen. Das Chassis bestand aus Aluminium; die Karosserie beschränkte sich auf Kotflügel, um ein Aufwirbeln des Mondstaubes zu verhindern. Jedes der vier Räder, deren Reifen aus verwobenen und mit Titanblech verstärkten Klaviersaiten bestanden, wurde mit einem Elektromotor betrieben, die einzeln zu- oder abschaltbar waren. Gespeist wurden sie aus zwei Batterien, die dem Fahrzeug eine Reichweite von etwa 65 Kilometern verliehen. In der Praxis wurde die Ausflüge jedoch auf 9,5 Kilometer begrenzt, denn die Astronauten mussten bei einem eventuellen Versagen des Fahrzeuges jederzeit in der Lage sein, die rettenden Mondlandefähre zu Fuß zu erreichen. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit lag bei etwa 10 km/h, obwohl höhere Geschwindigkeiten hätten erreicht werden können. Gesteuert wurde das Fahrzeug mit einem T-förmigen Knüppel. Eine einfache Anzeigetafel vermittelte den Astronauten die wichtigsten Informationen über den Betriebszustand des LRV. Zwei auf dem Fahrzeug angebrachte Antennen (high gain / low gain) hielten den Kontakt zur Bodenstation auf der Erde aufrecht. Eine 16-mm-Kamera, seitlich am Chassis befestigt, erlaubte Live-Sendungen zur Erde.

Die erste Extra-vehicular Activity (EVA) von David Scott war nach 33 min beendet, es war eine sogenannte Stand-up EVA aus der Kopplungsluke, oder wie die Astronauten meinten eine Sightseeing Tour. Die aufgenommenen Bilder der bergigen Region, aufgenommen mit dem erstmals mitgeführten 500-mm-Teleobjektiv, waren beeindruckend. David Scott beschrieb seine Eindrücke sehr detailliert und fachmännisch: "Alle Erscheinungen hier sind sehr sanft. Die Spitzen der Berge sind eher gerundet. Nirgendwo gibt es zackige Spitzen oder größere Felsbrocken. Überhaupt erscheint das gesamte Areal sehr ruhig mit größeren Gesteinsbruchstücken nur im Wall des Pluton (-Kraters). Es gibt keine Gesteinsbrocken an den Kratern St. George, Benett oder am Hügel 305 und auch nicht in Richtung Mount Hadley, so weit wie ich sehen kann. Hadley ist im Schatten. Es ist ein leicht rollendes Gelände, das über den gesamten Kreis von 360 Grad hügelig erscheint, viel von der Art wie wir es bei (Apollo) 14 gesehen haben."

Die beiden Astronauten absolvierten insgesamt drei Mondspaziergänge.

Die erste EVA wurde am 31. Juli 1971 (6h 33m) ausgeführt. Als David Scott den Mond betrat, sagte er::“As I stand out here in the wonders of the unknown at Hadley, I sort of realize there's a fundamental truth to our nature: Man must explore!” - „Wenn ich hier in den Wundern des Unbekannten am Mount Hadley stehe, wird mir klar, dass es für das Wesen des Menschen eine Grundwahrheit gibt: Der Mensch muss erforschen!“
Die erste äußere Inspektion der Landefähre durch David Scott ergab, dass ein Landebein mitten in einem kleinen Krater stand, mithin fast 60 Zentimeter tiefer als das andere. Dadurch hatte der Rand der Düse des Landetriebwerkes sogar den Mondboden berührt. Es zeigten sich jedoch keinerlei Indizien für mögliche Schäden.
James Irwin folgte kurze Zeit später zur Mondoberfläche. Seine Aufgabe war die Entnahme von ca. 1 kg Mondgestein (sog. contingency samples), um im Falle eines Notrückstarts wenigstens einige Materialproben von diesem Landeort zur Verfügung zu haben. Der Beutel mit dem Material wurde anschließend vor dem Podest zur Einstiegsluke deponiert, um ihn bei nächster Gelegenheit mit in die Mondlandefähre zu nehmen.
Es folgte die Entladung des Lunar Rover (LRV). Diese Arbeit erforderte den Einsatz beider Astronauten. Mit Hilfe eines Seilzuges wurde das Mondauto in einem ersten Schritt aus dem Stauraum herausgeklappt, wobei die hinteren Räder automatisch einrasteten. Gleiches vollzog sich anschließend im vorderen Bereich des Chassis, woraufhin das gesamte Mondfahrzeug langsam zur Mondoberfläche herabgelassen wurde. Anschließend bestand die Aufgabe der Crew darin, die Aufgauten des LRV, wie Sitze, Steuerknüppel, wissenschaftliche Ausrüstungen usw. einrasten zu lassen bzw. zu entfalten oder unterzubringen. Danach war das Fahrzeug einsatzbereit.
Bei einer Probefahrt bemerkte David Scott, dass es Probleme mit der Steuerung der Vorderräder gab. Diese wurden daraufhin einfach abgeschaltet, weil die Hinterradsteuerung für die Lenkung des LRV völlig ausreichend war.
Die EVA 1 führte David Scott und James Irwin im Richtung Südwest zur Hadley-Rille, denn dort, wo sie in einem scharfen Knick in Richtung Norden verläuft, lag die Station Nr. 1, der mittelgroße Elbow-Krater, direkt am Rande der Rille.
Bei einer Geschwindigkeit von 9 - 10 km/h reagierte das Mondfahrzeug unter den Bedingungen der geringen Mondgravitation sehr holprig auf Bodenunebenheiten. Die Gurte am Rover erwiesen sich dabei als sehr vorteilhaft.
Schließlich bot sich den beiden Astronauten der erste Blick auf die Hadley Rille. Der Blick - auch für die Zuschauer auf der Erde - reichte über den großen Bogen der Hadley Rille, dort, wo sie sich weiter in Richtung Norden windet, bis hin zu den Erhebungen der Apenninen. Größere Felsbrocken waren in die Rille hineingerollt. Danach führte der Weg weiter in Richtung Süden.
Nach einem Besuch des St. George-Kraters führte der Weg der Astronauten dann wieder zurück Richtung Norden. Die Rückfahrt zur Mondlandefähre war an Präzision kaum zu überbieten. Das rechnergesteuerte Navigationssystem wies die Richtung. Als David Scott und James Irwin nach gut zwei Stunden über einen kleinen Hügel fuhren, stand Falcon wieder vor ihnen.
Gegen Ende der ersten EVA mussten noch die wissenschaftlichen Instrumente des ALSEP aufgebaut werden. David Scott hatte eine Region ausgewählt, die etwa 110 Meter west-nordwestlich von Falcon lag. Erstmals gehörte zu den Geräten ein Wärmefluß-Experiment, für das zwei Löcher in den Mondboden getrieben werden mussten. Beim zweiten Loch fraß sich der elektrische Bohrer fest und die Crew hatte Probleme, ihn wieder frei zu bekommen. Wegen der zur Neige gehenden Sauerstoff- und Energiereserven wurden die Astronauten angewiesen, den Bohrer bis zur zweiten EVA stecken zu lassen.

Die zweite EVA erfolgte am 01. August 1971 (7h 12m). Diese EVA hatte bei südlicher Fahrtrichtung den Gebirgsfuß der Apenninen zum Ziel, vorbei an einer Kratergruppe, die als South Cluster bezeichnet wurde, und dann wieder zurück zum LM.
Am Fuß der Apenninen galt die Aufmerksamkeit der Astronauten Kratern, die die Bergflanke getroffen und damit auf natürliche Weise einen Aufschluss geschaffen hatten. Nach einiger Zeit entdeckte David Scott einen Krater, der ihren Vorstellungen entsprach, steuerte ihn mit dem Lunar Rover an und sprang mit einem Satz vom Fahrzeug herunter, um sofort hinten herüber zu fallen. Im Eifer des Gefechtes hatte er nicht bemerkt, dass das Gelände inzwischen einen deutlichen Steigungswinkel aufwies. Die Crew war inzwischen fast 100 Meter höher als ihre Ausgangsposition und fast 5 Kilometer vom LM entfernt. Von hier "oben" ließ David Scott den Blick über das gesamte Tal streifen bis hin zum anderen Ausläufer der Apenninen. Die Landefähre war mit ihrer Goldfolie gut zu sehen. Die geologische Arbeit war schwierig. In ihren dicken Raumanzügen konnten sich beide Männer nur in kleinen Hopsern auf dem schrägen Gelände bewegen. Die Entnahme von interessanten geologischen Proben kostete einfach viel Zeit. Der Rückweg führte David Scott und James Irwin dicht am Spur Krater vorbei, der etwa die Größe eines Fußballfeldes hatte. Es gab nur wenige größere Felsbrocken, dafür aber eine Vielzahl kleinerer Bruchstücke. Nach dem Einsammeln eines eher grünlich schimmernden kleineren Brockens, hob David Scott einen weißlich aussehenden Stein von der Größe einer Faust an, befreite ihn vom Staub und entdeckte dann größere weiße Kristalle. David Scott funkte zur Bodenstation: "Ratet, was wir gerade gefunden haben. Ich glaube, wir haben das gefunden, wofür wir herkamen." Die später mit der Identifikationsnummer 15415 belegte Probe erwies sich später als ein Stein mit kristalliner Struktur mit sehr viel Plagioklas, einem Mineral, das Hauptbestandteil von Anorthosit ist. Nach gängiger Meinung der Wissenschaftler ist Anorthosit das Gesteinsmaterial, das nach der Aufschmelzung der Mondkruste als erstes erstarrte. Danach musste der gefundene Gesteinsbrocken schätzungsweise 4,5 Milliarden Jahre alt sein. Auf der Erde erhielt der Fund deshalb die Bezeichnung "Genesis-Felsen".
Die beiden Mondmänner wanderten dann entlang des Spur-Kraters und nahmen dort weitere Bodenproben. Anschließend ging es zum LM zurück. Dort wandte sich die Crew noch einmal den Experimenten am Boden zu. Mit Hilfe von James Irwin gelang es David Scott, den am Vortag festgefressenen Bohrer frei zu bekommen. Die Astronauten platzierten in den Bohrlöchern die Hitzesensoren. Der Versuch, einen Bohrkern aus bis zu drei Metern Tiefe zu entnehmen, scheiterte zunächst, weil David Scott das Gestänge nicht wieder aus dem Boden ziehen konnte. Am Ende des zweiten Ausstiegs erledigte die Crew noch kleinere Arbeiten, wie das Aufstellen der US-Flagge.

Die dritte und letzte EVA wurde am 02. August 1971 (5h 01m) durchgeführt. Der dritte Ausflug sollte David Scott und James Irwin erneut zur Hadley Rille führen und hatte dann eine Gruppe von kleineren Kratern zum Ziel, den sog. Nord-Komplex. Doch zunächst führte der Weg der beiden Astronauten zum ALSEP-Gebiet. Dort bekamen sie endlich und mit großer Kraftanstrengung den am Vortag festgefressenen Bohrer frei. Als sie schließlich mit dem Lunar Rover weiterfahren konnten, führte die Route in nordwestlicher Richtung erneut zum Rand der Hadley Rille. Wieder entnahmen David Scott und James Irwin Bodenproben.
Während dieser EVA stürzte Kommandant David Scott über einen Fels, stand aber gleich ohne Verletzungen oder Beschädigungen seines Raumanzuges wieder auf. Bevor sie die Rückkehr antraten, demonstrierte David Scott noch einen Versuch, den Galileo Galilei schon 300 Jahre vorher beschrieben hatte. In der einen Hand eine Feder, in der anderen einen Hammer, ließ er beides zur gleichen Zeit fallen, und beide Gegenstände landeten zur gleichen Zeit auf der Mondoberfläche. Damit wurde Galileo Galileis seinerzeitige These bestätigt.
Danach fuhr David Scott den Lunar Rover knapp 100 Meter weit weg, richtete die Kamera auf die Mondlandefähre und bestätigte einige Schalter für eine Live-Übertragung des Rückstarts zum Mutterschiff in der Mondumlaufbahn.
Insgesamt brachte die Crew 77,31 kg Mondgestein und Material mit von der Mondoberfläche zurück.

David Scott und James Irwin stellten während der letzten EVA das Kunstwerk "Fallen Astronaut" des belgischen Künstlers Paul Van Hoeydonck am Landeplatz auf. Das Kunstwerk “Fallen Astronaut“ besteht aus einer Statuette eines Raumfahrers (ca. 8,5 cm groß), und einer Aluminiumplatte, auf der die Namen der 14 bis dahin verstorbenen Raumfahrer verzeichnet sind.

Drei Stunden nach dem Ende der EVA starteten die beiden Mondmänner zurück in die Mondumlaufbahn. Erstmals konnte ein solches Ereignis live mitverfolgt werden. Beeindruckend waren die Bilder vom rasch aufstrebenden Oberteil der Mondlandefähre, wobei der Triebwerksstrahl einen Teil der Goldfolienverkleidung der Unterstufe wegriß. Nach nur neun Minuten hatte Falcon bereits einen Mondorbit von 75 x 16 km erreicht. Rund zwei Stunden nach dem Rückstart dockten Falcon und Endeavour miteinander. Nach dem Umladen der Mondgesteine wurde die Mondfähre abgetrennt. Von der Bodenkontrolle wurde Falcon durch Zünden der Lagekontrolldüsen zum Absturz gebracht. Mit einer Geschwindigkeit von rund 1.700 m/sec zerschellte das Raumschiff auf der Mondoberfläche, 95 km westlich des Landeplatzes. Dieses künstliche Mondbeben wurde 28 Sekunden vom Seismometer an der Hadley Rille registriert.

Alfred Worden umkreiste mit dem Raumschiff Endeavour den Mond während des Aufenthaltes seiner Kameraden 34 Mal. Er war während dieser Zeit mit wissenschaftlichen Experimenten beschäftigt. Vor dem Verlassen des Orbits wurde noch ein kleiner Satellit aus der SIM Bay des Apollo-Raumschiffs ausgesetzt. Er sollte in der Mondumlaufbahn Daten von Gravitations- und Magnetfeldern übermitteln. Der Rückflug selbst ging ohne Probleme vonstatten.

Während des Rückflugs zur Erde absolvierte Alfred Worden am 05. August 1971 noch eine EVA (0h 39m) zur Bergung einer Film-Kassette.

Die Crew wurde nach der Wasserung vom Flugzeugträger USS Okinawa geborgen. Allerdings versagte bei der Landung einer von drei Fallschirmen, was zu einer härteren Wasserung führte. Die Mannschaft brachte bei dieser Mission 76,8 kg Mondgestein mit auf die Erde, darunter auch den Genesis-Stein.

Fotos / Zeichnungen

Quelle: www.astronautix.com/

 

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Letztes Update am 30. Juni 2014.